Ursula Reichart  Malerei | Zeichnung

                                                                 

.. „Die Bilderfindungen Ursula Reicharts speisen sich aus dem Material organischer Bausteine, wie Zellen und Gewebe. Bereits ein erster Blick auf die Bildoberfläche offenbart derartige Strukturelemente, die uns aus biologischen Abbildungen und Schautafeln bekannt vorkommen. Zum einen überarbeitet die Künstlerin mit Farbe vorgefundene Grundlagen, die aus dem naturwissenschaftlichen Bildvorrat stammen, zum anderen nutzt sie deren strukturelle Vorgaben, um zu eigenen Bilderfindungen zu gelangen. ...“

... „Der Blick unter die Oberfläche der Haut, die Erforschung und Visualisierung des Organischen wäre nicht möglich ohne die Erkenntnisse der modernen Anatomie: und diese verdankt sich nicht zuletzt dem toten Körper, der als wissenschaftliches Objekt der Sektion zur Verfügung stand. Wer einmal ein anatomisches Museum betreten hat, wird sich an den gemischten Eindruck von Schrecken und Schönheit erinnern, den die in Alkohol eingelegten Präparate von Organen und Körperelementen ausstrahlen. Die Schönheit rührt aus ihrer nahezu skulpturalen Organik, die das natürlich Gewachsene als ästhetisches Objekt sehen lässt. Andererseits sorgt das dem Körper entnommene für die Atmosphäre des Schreckens: Wir erkennen einen Teil unseres eigenen körperlichen Daseins, das als vereinzeltes und isoliertes Objekt zu einem Eigenleben zu gelangen scheint. ...“

Bernd Künzig, aus der Einführungsrede zur Eröffnung der Ausstellung „Neue Positionen in der Malerei – Ursula Reichart“ im Stadt- und Fachwerkmuseum „Alte Universität“ in Eppingen am 1. Oktober 2006


... „Auf dem Tisch im Atelier liegt altes Gerät aus einem Labor: verblasst-rote Schläuche, Pumpvorrichtungen, gläserne Röhren als Wege für mancherlei Flüssigkeiten. Die alten Beschriftungen, Etikettierungen sind noch gut lesbar, haben ihre eigene Schönheit gewonnen.

Sie schätzt die Ordnungen in den alten Schriften, die geheimnisvollen Zahlen und Stempel. Sie mag das vergilbte, fleckige Papier, es kann auch kariert sein, aufgefunden in einer alten Fabrik, oder im Straßburger-„Emmaus“.

In schwarzer Flasche steckt chinesische Tusche, schwer roter Krapplack in Tuben steht im Kontrast. Malen ist für sie die Spannung von Gegensätzen: Bilder der Fülle, aber auch der Tod als Motiv.

In der mit „Magnetische Felder“ überschriebenen Bilderserie geht es um Kräfte und Ströme; auch hier gibt es Flüssigkeiten. Schwarze und weiße Felder stehen sich gegenüber, verzahnen sich, halten sich im Gleichgewicht. Thema der Bilder ist die eingeschlossene Kraft, die gefährlich wäre, wenn sich nicht gebändigt würde.

Auch hier bildet altes, vergilbtes Papier die Grundlage: verstaubte Physikbücher mit ihren schematischen Modellen von technisch-physikalischen Vorgängen. Farbblöcke entwickeln sich aus den Schriftteilen, überlagern sie. Kapitelüberschriften regen die Künstlerin an. So entwickelt sie aus der „Bleisammlerbatterie“ aus dem Kapitel Gleichstromschaltungen des Buches „Einführung in die Theorie der Schwachstromtechnik“ (1948) eigene Vorstellungen von malerischen Batterien: das Schwarze ist der Behälter, ganz fest, aus Metall. Durch viele Übermalungen aber schimmern an Stellen andere Farben durch, leuchten im Dunkeln. Behälter könnten Turbinen sein oder Gasometer, die Flüssigkeiten in sich bergen, die dann wieder durch Röhren geleitet werden und Kolben bewegen. ... „


Herrmann Hirner, Auszug aus einem Text anlässlich der Ausstellung
„À fleur de peau“ und „Magnetische Felder“ in Strasbourg, 2004

Presse

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